Thronebreaker: The Witcher Tales

  • Gwent-Karten und Witcher-Autoren, aus dem Spin-Off-Addon wurde ein echtes Spiel


    Kartenbasierte Kämpfe statt Magieangriffe und Schwerthiebe, spärliche Animationen statt bombastischer Zwischensequenzen. Um möglicherweise übersteigerte Erwartungen im Vorfeld ein wenig zu dämpfen, Thronebreaker: The Witcher Tales ist keine Erweiterung von The Witcher 3, auch wenn ich mir das sehnlich wünschen würde. Mit dem Thema Geralt von Riva haben CD Projekt RED vorerst abgeschlossen, Geschichten aus der der Witcher-Welt liefern die polnischen Entwickler aber fleißig weiter. Diesmal in Form einer Mischung aus Rollenspiel, Puzzles und Gwent-Partien, in der ihr die Rolle der Königin Meve, Herrscherin von Lyrien und Rivien, übernehmt. Ursprünglich als Einzelspieler-Erweiterung zum Kartenkampfspiel Gwent geplant, ist aus dem Add-on ein ausgewachsenes Spiel mit einer umfangreichen Solo-Kampagne nebst 75 Nebenmissionen entstanden, das euch locker 30 Stunden beschäftigen wird.


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    Banditen ziehen plündernd durch die Nördlichen Lande, die lokalen Statthalter erweisen sich als unfähig und zu allem Überfluss droht auch noch eine Invasion der Aggressoren aus Nilfgaard. Angesichts der chaotischen Zustände im eigenen Reich bleibt der kriegserfahrenen Königin Meve nichts anderes übrig, als einige Getreue um sich zu versammeln und sich selber auf den Weg zu machen die Probleme mit Waffengewalt zu lösen. Soweit die Prämisse von Thronebreaker: The Witcher Tales, das zeitlich als Prequel zu den Witcher-Teilen mit Geralt von Riva - der sich nach Auskunft der Entwickler zumindest mal blicken lässt - daherkommt. Das Spielgeschehen ist zweigeteilt, zunächst bewegt ihr euren Trupp auf einer 2D-Karte durch die Lande, sammelt mit Holz, Gold und Rekruten eine überschaubare Anzahl an Ressourcen und erkundet die Fantasy-Welt. Kommt es dann zur unvermeidlichen Konfrontation mit Monstern, Banditen oder den Soldaten aus Nilfgaard, werden die taktischen Gefechte mit einer Runde Gwent ausgetragen.

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    Lauft ihr nicht einfach schnurstracks auf dem gepflasterten Weg von einem Punkt der Hauptgeschichte zum nächsten, eröffnet sich die wahre Faszination der Welt. Überall trefft ihr auf Einwohner, die ihr Leid klagen, Geheimnisse verraten oder Aufträge anbieten. Wie gewohnt handelt es sich bei den optionalen Nebenmissionen nicht um stupide Sammelaufträge oder spielzeitstreckende Botengänge, sondern immer um abwechslungsreiche und interessante Geschichten, die von den Top-Autoren der Witcher-Serie ersonnen wurden. Beispielsweise betretet ihr eine Stadt, in der sich ein wütender Mob aus Fackeln-. und Mistgabeln-schwenkenden Menschen über eine Gruppe verängstigter Elfen hermacht. Stellt ihr die Rädelsführer zur Rede, erfahrt ihr, dass die sogenannten Anderlinge schuld an allem Unheil sind und nun der Scheiterhaufen auf das Pack wartet. Es stellt sich aber heraus, dass die Elfen unschuldig sind und ihr habt nun die Wahl die Anführer des Pogroms am nächsten Baum aufzuknüpfen oder „nur" Auszupeitschen. Entscheidet ihr euch für die körperliche Züchtigung, sind die Anderlinge aufgebracht und die Rekrutierung von Elfen für eure Armee wird deutlich erschwert. Tötet ihr die Anführer, gibt es natürlich Stress mit den Menschen, die das Vorgehen als viel zu grausam erachten. Was ihr auch macht, eine einzig richtige Entscheidung gibt es oftmals einfach nicht.

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    Überhaupt spielen eure Entscheidungen eine wichtige Rolle für den weiteren Verlauf und auch dem Ausgang der Story. Das kann von kurzfristiger Natur sein, wenn ihr spontan einen Friedhof von nervigen Ghouls befreit, was die Bevölkerung zu schätzen weiß und mit viel Gold belohnt wird, aber auch auf lange Sicht die Geschichte bestimmen. So könnt ihr jederzeit ein Lager aufschlagen und im Bierzelt in geselliger Runde mit euren Gefährten plaudern. Dabei erfahrt ihr eine Menge zusätzlicher Informationen über die Charaktere, geratet aber auch schon mal in Streit und verliert vielleicht einen treuen Recken. Oder ihr schenkt einem gefangenen Banditenanführer das Leben, der sich dann zur richtigen Zeit für die Gnade erkenntlich zeigt. Mehr als 20 unterschiedliche Enden soll es für den Kreuzzug von Königin Meve geben, was ein wiederholtes Spielen der Kampagne reizvoll macht.

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    Erkunden, Entscheiden und die eigene Armee aufbauen ist der eine Teil des Spiels, der andere besteht aus den teils ganz schön knackigen Kartenkämpfen nach dem Regelwerk von Gwent: The Witcher Card Game. Ohne jetzt eine zehnseitige Abhandlung über die komplexen Regeln zu schreiben, nur kurz das Nötigste für alle, die sich bislang nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Im Duell stehen sich Königin Meve und der jeweilige Gegner auf dem Spielfeld gegenüber. Jede Partei kann auf zwei Reihen, eine für Fern- und eine für Nahkämpfer, aus dem Deck Karten mit unterschiedlichen Werten platzieren. Wer nach einer Runde die meisten Punkte vorweisen kann, verbucht den Durchgang für sich und nach zwei gewonnen Runden ist der Kampf entschieden. Gut 250 Karten, davon 20 Thronebreaker-exklusive, können im Spielverlauf gesammelt werden, was das Deck ordentlich anschwellen lässt und mit der Zeit erheblichen taktischen Spielraum bietet. Das ist auch bitter notwendig, denn die KI-Kartenkämpfer sind teilweise richtig schwere Brocken, die euch mit Spezialfähigkeiten und Rätseln das Leben schwer machen.

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    Beispielsweise gilt es schon recht früh nach dem Tutorial, das euch in aller Ruhe die Basisregeln von Gwent erklärt, einen Bosskampf zu absolvieren. Eurer Gegner ist der arrogante Banditenboss Gaston, der erst mal eure bislang erfolgreiche Standard-Strategie schön über den Haufen wirft. Der Robin Hood-Verschnitt setzt eure Reihen in Brand, was alle paar Züge für erheblichen Feuerschaden sorgt und ist nur zu besiegen, in dem ihr ihn mit mächtigen Karten aus eurem Deck einkreist und an seinem sprunghaften Umherwandern hindert. Oder ihr bekommt es mit Nekrophagen auf einem Friedhof zu tun, die ihr innerhalb einer Runde erledigen sollt. Der Trick: die Monster verlieren nach jedem Zug automatisch eine feste Punktzahl, wenn ihr diese so angreift, dass alle vor dem letzten Zug auf dem gleichen Wert sind, schafft ihr die Herausforderung. Muss man erst mal draufkommen.

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    Wenn ihr euch für Kartenkampfspiele und insbesondere für Gwent begeistern könnt, macht die Mischung aus 2D-Rollenspiel und den variationsreichen, taktischen Duellen richtig Spaß. Die Welt umfasst fünf riesige Karten, die auch in bislang unbekannte Gebiete in den Witcher-Landen führen, die Maps wimmeln vor Schatztruhen mit Stücken von seltenen Karten und NPCs, die euch interessante Quests auferlegen.

    Quelle:(eurogamer.de)